Im Rahmen des Manova-Gesprächs „Die Abschaffung der Frau“ diskutiert die Frauenforscherin und Politikwissenschaftlerin Prof. em. Dr. Claudia von Werlhof mit der Journalistin Elisa Gratias grundlegende Fragen gegenwärtiger Geschlechter-, Gesellschafts- und Zivilisationskritik. Ausgangspunkt des Interviews ist die Beobachtung, dass der Begriff des Patriarchats im öffentlichen Diskurs häufig verkürzt, missverständlich oder ideologisch aufgeladen verwendet wird. Demgegenüber entwickelt von Werlhof eine theoretisch vertiefte Perspektive, die Patriarchat nicht bloß als historisches Herrschaftsverhältnis zwischen Männern und Frauen, sondern als umfassende zivilisatorische Struktur deutet, die mit Naturbeherrschung, technologischer Umgestaltung der Lebenswelt und tiefgreifenden anthropologischen Verschiebungen verbunden ist.
Im Zentrum steht dabei von Werlhofs „Kritische Patriarchatstheorie“, die sie aus jahrzehntelanger Forschung heraus entwickelt hat. Diese Theorie beansprucht, unterschiedliche Krisenphänomene der Gegenwart — darunter ökologische Zerstörung, soziale Entfremdung, die Transformation von Geschlechterverhältnissen sowie Debatten um Transhumanismus und industrielle Umbrüche — in einen übergreifenden Deutungszusammenhang zu stellen. Das Gespräch versteht sich damit nicht nur als Beitrag zur feministischen Theorie, sondern auch als Intervention in aktuelle kulturwissenschaftliche, sozialphilosophische und politische Debatten über die Grundlagen moderner Gesellschaften.
Besondere Relevanz erhält das Interview durch seinen interdisziplinären Zugriff: Es verbindet Fragestellungen der Frauenforschung, Politikwissenschaft, Gesellschaftstheorie und Ökologie und lädt dazu ein, dominante Fortschrittsnarrative kritisch zu hinterfragen. Damit richtet sich das Gespräch an ein Publikum, das an einer vertieften Reflexion über Macht, Geschlecht, Technik und Zukunftsentwürfe interessiert ist. Das auf YouTube veröffentlichte Gespräch wird von Manova als Teil der Sonderausgabe „Frau, Mann, Macht“ vorgestellt.